Schlagwort: Tabarz

Neubauer-Ehrung in Tabarz

Martin Mürb vom VVN/BdA Ortsgruppe Gotha…

Am 05.02.2019 führten wir von der VVN/BdA Gotha wieder eine Ehrung Theodor Neubauers Kommunist und Widerstandskämpfer, der von den Nazis am 05.02.1945 hingerichtet wurde, in Tabarz durch. Ich habe mich mit Theo Neubauer wieder verstärkt beschäftigt ab 2014 als in Thüringen die rot-rot-grüne Koalition geschmiedet wurde. Da habe ich mich erinnert an die erste rot-rote Regierung in Thüringen, Anfang der 1920-ziger Jahre, die

… organisiert die Gedenkveranstaltungen seit Jahren

dann auf Druck der SPD geführten Reichsregierung unter Androhung der Reichsexecution wieder aufgelöst wurde. Theo Neubauer ist mir Vorbild und bestärkt mich in meiner Haltung, von als richtig erkannten Positionen nicht abzuweichen, egal wie der Mainstream tickt. Und er bestärkt mich, unsere antikapitalistischen und antifaschistischen Forderungen in der Gesellschaft hochzuhalten und aufzuklären. Denn „wer aber vom Kapitalismus nicht reden will, sollte auch vom Faschismus schweigen“. Da aber gerade heute angesichts des Rechtsruckes in unserer Gesellschaft und dem Aufstieg der AfD nicht geschwiegen werden darf, müssen gerade wir über den Zusammenhang von kapitalistischem System und Faschismus immer wieder aufklären und sagen was ist! Danke an alle, die da waren – sowohl an dem Grab wie auch danach bei der Diskussionsveranstaltung im Kukuna. Danke auch an den Bürgermeister der Stadt Bad Tabarz.

Ich habe eine Passage aus Franz Hammer (1970): „Theodor Neubauer; aus seinem Leben“ vorgelesen:

Theodor Neubauer: Verhandlung vor dem „Volksgerichtshof“

Aufrecht und unerschrocken stand Theodor Neubauer den Richtern gegenüber:

Dem Landgerichtsdirektor Stier, der den Vorsitz führte, Kammergerichtsrat Rehse, SA- Brigadeführer Hauer, Reichsrichter Dr. Ilz, Ortsgruppenleiter Kelch, den Staatsanwälten Dr. Heugel und Wittmann.

Am 08.Januar 1945 fand die Verhandlung vor dem „Volksgerichtshof“ statt. Schon im Dezember 1944 hatte Theodor Neubauer den Richtern zugerufen: „Ich habe bereits mehrfach erklärt, dass ich aus meiner politischen Einstellung kein Hehl mache und ich mich offen dazu äußere. Ich bin davon überzeugt, dass meine Äußerungen derart, wie ich sie getan habe, beim Volksgerichtshof als defaitistisch und hochverräterisch angesehen werden und darauf nur die Todesstrafe stehen kann.

Ich habe bisher in meinem Leben stets die Achtung vor mir selbst bewahrt und möchte bis zur letzten Konsequenz diese Achtung nicht verlieren.“

 

Theodor Neubauer wurde zum Tode verurteilt. In der Urteilsbegründung heißt es:

 

„Theodor Neubauer, Kriegsfreiwilliger und deutscher Reserveoffizier des Ersten Weltkrieges, später jedoch Mitglied der USPD und der KPD, von 1924 bis 1933 Abgeordneter der letzteren für den Deutschen Reichstag, nahm aus defaitistischer und staatsfeindlicher Grundeinstellung heraus Anfang 1943 in seinem Wohnort in Tabarz Verbindung zu dem Kommunisten Poser auf, war mit diesem darüber einig, dass die deutsche Arbeiterschaft zur Vorbereitung eines Ausgleichs mit der Sowjetunion wieder auf die kommunistische Ideologie ausgerichtet werden müsse, und stellte zur Werbung für den Kommunismus das von ihm verfasste Flugblatt „Hitler hat den Krieg verloren“ dem Poser zur Verfügung. Tatsächlich wurde auch diese Schrift von Poser vervielfältigt und unter illegalen Gruppen in Thüringen verbreitet.

Anfang Sommer 1943 nahm der Angeklagte ferner Verbindung zu den in Leipzig bereit illegal tätigen früheren kommunistischen Abgeordneten Schumann und Engert auf…Über seinen Bekannten, den Ingenieur Emil Wölk aus Berlin, knüpfte der Angeklagte im Herbst 1943 auch mit der in Berlin unter Leitung des vom Volksgerichtshof bereits abgeurteilten Anton Saefkow entstandenen kommunistischen Gruppe Beziehungen an. Er traf sich mit Saefkow, lernte nach und nach dessen Mitarbeiter, die gleichfalls schon abgeurteilten Franz Jacob und Bernhard Bästlein, kennen, erörterte mit ihnen die Fortführung der illegalen Arbeit und erklärte sich bereit, unter dem Decknamen „Lorenz“ einem für Berlin, Sachsen und Thüringen zu bildenden „Kopf“…als Berater anzugehören…Jedoch kam man zu dem Entschluss, im Hinblick auf die als bevorstehend angesehene Westinvasion der Feindmächte an die im Reiche befindlichen französischen Zivilarbeiter und Kriegsgefangenen heranzutreten…

Die illegale Betätigung des Angeklagten war, wie näherer Begründung nicht bedarf, geeignet, die umstürzlerischen und im Kriege auch feindbegünstigenden Bestrebungen der illegalen KPD zu fördern. Dessen war sich Neubauer auch bewusst. Bei ihm handelt es sich um einen aus innerster Überzeugung sich zum Kommunismus bekennenden Akademiker, der als jahrelanges Mitglied der kommunistischen Reichstagsfraktion über eine umfassende politische Schulung und Erfahrung verfügt…

Er ist deshalb wegen erschwerter Vorbereitung zum Hochverrat und landesverräterische Feindbegünstigung zu bestrafen…Er ist für immer ehrlos und muss – dem Gesetz entsprechend – mit dem Tode bestraft werden.“

(Soweit aus dem Urteil)

Obwohl es aussichtslos war, hatte Theodor Neubauer von einer Wiederaufnahme des Verfahrens geträumt: Die Verzögerung musste doch gelingen! Dass der Zusammenbruch des faschistischen Regimes bevorstand, war so offensichtlich, und er wollte doch an dem Neubeginn, für den er gekämpft und gelitten hatte, mit teilhaben. Er wollte der Welt beweisen helfen, dass das deutsche Volk unter der Führung der geeinten Arbeiterklasse der Menschlichkeit zu dienen in der Lage war. Aber für ihn und viele andere Antifaschisten kam die Rettung zu spät. Über 1800 Menschen wurden vom 22. August 1940 bis zum 20. April 1945 aus politischen oder religiösen Gründen allein auf dem Schafott des Zuchthauses Brandenburg hingerichtet – darunter 768 Arbeiter, 363 Techniker, Ingenieure, Architekten und Baumeister, 234 Angestellte und Beamte, 97 Unternehmer, Industrielle und Kaufleute, 79 Bauern und Gärtner, 51 Forscher und Gelehrte (davon 8 Universitätsprofessoren, 23 Ärzte und Apotheker, je 8 Chemiker und Studienräte) , 49 Maler, Dichter, Musiker und Komponisten, 35 Berufssoldaten (darunter ein Generaloberst, ein General und ein Generalleutnant), 34 hohe Beamte, 21 Geistliche (davon 19 katholische), 22 Schüler und Studenten, 11 Journalisten. Einer der Hingerichteten war blind, einer hatte keine Beine. 75 waren zwanzig Jahre alt und darunter – der Jüngste war sechzehn, mehrere waren siebzig Jahre alt. Sechzig Jahre alt und darüber waren 78. Bei der letzten Hinrichtung am 20. April wurden noch 28 Häftlinge hingerichtet – alles politische Gegner der Hitlertyrannei.

Auch Theodor Neubauer, Doktor der Philosophie, kommunistischer Reichstagsabgeordneter, ein unermüdlicher Kämpfer für Menschenwürde und Frieden, wurde in diese grausige Statistik mit aufgenommen. In der Morgenstunde des 05. Februar 1945, dem Tage seiner Hinrichtung, schrieb er seinen letzten Brief:

„Liebste Frau,! Geliebte Tochter! Liebe Anna!

Euch alle drei grüße ich jetzt zum letzten Mal. Ich sterbe mit festem Herzen – selbstverständlich.

In inniger Liebe Euer Theo

Allen Lieben die herzlichsten Grüße.“

Share Button