Schlagwort: Aktuelle Stunde

Rede am 12.12.2017 in der Aktuellen Stunde im Thüringer Landtag

15. Dezember 2017  Aus dem Landtag

Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen

Bildquelle: www.campact.de
Kampagne: Glyphosat muss vom Tisch!

Zeitgleich debattiert gerade der Bundestag zum Thema Glyphosat, es liegen verschiedene Anträge im Bundestag dazu vor, unter anderem ein Antrag der Fraktion DIE LINKE mit dem Titel „Glyphosathaltige Pflanzenschutzmittel in Deutschland verbieten“. Das ist ein weitreichender Antrag, der jedoch darauf fußt, dass nach EU-Recht jene EU-Staaten, die den Gebrauch von Glyphosat auf ihrem Territorium nicht wünschen, das Mittel auch trotz einer Zulassung untersagen können.

Im September letzten Jahres habe ich hier an diesem Pult noch beklagt, dass Thüringen keine Bundesratsinitiative bezüglich des Verbots oder wenigstens der Einschränkung des Einsatzes von Glyphosat eingebracht hat. Nun hat Thüringen eine eingebracht, dass nehme ich zustimmend zur Kenntnis und freue mich darüber.

Wir hatten ja im September 2016 hier einen Antrag zur Einschränkung des Glyphosat-einsatzes beschlossen, jedoch muss ich kritisch feststellen, dass in den Gemeinden, Städten, privaten Freizeitgärten und auch im Zusammenhang mit Solaranlagen der Einsatz von Glyphosat immer noch stattfindet. Hier haben wir ein Umsetzungsdefizit, das von der Verwaltung dringend angegangen werden muss!

Meine Damen und Herren:

Glyphosat wurde in fast allen Nahrungsmitteln nachgewiesen.

Glyphosat und dessen Abbauprodukte kommt auch in Böden, Grundwasser und in Pflanzen und Tieren in der Natur vor. 70 Prozent aller untersuchten Urinproben in Deutschland sind mit Glyphosat belastet. Das möchte ich noch einmal hier betonen. Glyphosat ist möglicherweise krebserregend und die Beimischungs- und Abbauprodukte in den entsprechenden Herbiziden sind auf jeden Fall nicht gesundheitsfördernd. Und wer einerseits beklagt, dass z.B. Autoimmunerkrankungen in der Bevölkerung ansteigen, muss doch andererseits zur Kenntnis nehmen, dass das ubiquitäre Vorkommen von Giften in unserer Umwelt und den Lebensmitteln damit etwas zu tun hat. Aus dem Vorsorgeprinzip heraus muss deshalb der Einsatz von Glyphosat, aber auch weiterer chemischer Pestizide beendet werden.

Die letzte viel beachtete Studie zeigt, wie sehr in Deutschland Insekten zurückgehen. Zum Teil ist das auf den direkten Einsatz von Insektiziden zurückzuführen, aber auch der Rückgang der Blühpflanzen, z. B. von Ackerunkräutern oder Begleitpflanzen in Gärten, öffentlichen Flächen, Grasflächen usw. stellt einen bedeutenden Faktor dar, weil es vielen Insekten, gerade zum Beispiel Bienen schlicht und einfach an Futterpflanzen mangelt. Und dafür sind glyphosathaltige Mittel maßgeblich verantwortlich.  Und allein schon deshalb ist, wenn man Biodiversität erhalten will, der Wir hatten ja letztes Einsatz von Glyphosat drastisch zu reduzieren.

Kürzlich hat ein hoher Vertreter des Thüringer Bauernverbandes öffentlich gesagt, der TBV fordere eine Zulassungsverlängerung weil Glyphosat für die Thüringer Landwirtschaft systemrelevant sei! Und da muss ich als Wissenschaftlerin, die lange Agrarsystemforschung betrieben hat, sagen: systemrelevant ist es nur, weil sich die die Bauernführer weigern, das System zu verändern, und zwar hin zu einer umweltverträglichen, d.h. nachhaltigen Bewirtschaftung.

Natürlich gibt es auch Zielkonflikte. Und  niemand sagt, dass ein Verbot von Glyphosat für die jetzige konventionelle Landwirtschaft einfach wegzustecken sei. Doch möglich ist auch eine leistungsfähige Landwirtschaft ohne chemischen Pflanzenschutz. Aber leider hat der chemische Pflanzenschutz heute so viele wertvolle Ackerbaumethoden verdrängt und vergessen lassen.

Also noch einmal: die Landwirtschaft muss sich darauf vorbereiten, dass dieses Gift über kurz oder lang verboten wird. Sich darauf vorzubereiten in den Betrieben, in der Agrarforschung und der Agrarförderung ist das Gebot der Stunde. Und auch allen Kleingartenbesitzer, Gemeinderäte und Bürgermeister rufe ich zu: blühende Landschaften brauchen wir, also weg mit diesen Giften!

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