PM + Rede zum Klimaschutz

28. September 2018  Landwirtschaft, Umwelt

PM: Thüringen muss sich für Wetterkapriolen stärker rüsten

„Der Dürresommer 2018 macht es überdeutlich. Die Thüringer Landwirtschaft muss für den Klimawandel fit gemacht werden. Wir wollen mit verschiedenen Maßnahmen die Voraussetzungen schaffen, dass wir extreme Dürreperioden und stark schwankende Niederschläge auch gut verkraften können“, begründet Dr. Johanna Scheringer-Wright, Sprecherin für Agrarpolitik der Fraktion DIE LINKE im Thüringer Landtag, den heute im Landtag beratenen Antrag der rot-rot-grünen Koalitionsfraktionen.

Der von der Mehrheit des Landtags bestätigte Plenarantrag hat zum Ziel, auf neue klimatische Bedingungen und damit auf zukünftig zu erwartende Klima- und Wetterextreme angemessen reagieren zu können. „Es ist dringend notwendig, ein neues Wassermanagement zu erarbeiten, das sowohl extremen Mangel als auch Überfluss von Wasser ausgleichen kann. Wir brauchen mehr Wasserspeicher und einen höheren Humusanteil im Boden“, so Scheringer-Wright mit Blick auf eine funktionsfähige Landwirtschaft. Für die landwirtschaftliche Bewässerung könnten u.a. herrenlose Speicher herangezogen werden. Auch eine angepasste Bodenbearbeitung, die den organischen Anteil im Oberboden erhöht, würde entscheidend zu einer besseren Wasserspeicher- und Wassererhaltefähigkeit beitragen.

„Zudem ist die Erforschung und wissenschaftliche Begleitung von Anpassungsstrategien der Landwirtschaft durch Auswahl wasserstressresistenter Kulturpflanzenarten und -sorten dringend nötig“, betont Scheringer-Wright.

 

 

 

Es gilt das gesprochene Wort. Dr. Johanna Scheringer-Wright

Plenarrede zum Antrag der Fraktionen DIE LINKE, SPD und Bündnis 90/Die Grünen „Klimaanpassung der Thüringer Landwirtschaft“

Mit dem Antrag „Klimaanpassung der Thüringer Landwirtschaft“ wollen wir auf die klimatischen Herausforderungen des Klimawandels gerade für die Landwirtschaftlichen Betriebe und der Forstwirtschaft eingehen. Denn kein Sektor ist von Wetter und Klima so betroffen, wie Land- und forstwirtschaft.

Um es gleich vorab zu sagen: Klimaanpassungsstrategien können nur ein Beitrag sein, um die schon heute unvermeidbare Erderhitzung in ihren Auswirkungen zu mildern.

Unverzichtbar ist und bleiben der konsequente Ausstieg aus der atomar-fossilen Energiegewinnung und eine konsequente Verkehrswende um die Erderhitzung zu mildern. Deshalb übersende ich heute hiermit meine Solidarität an die Aktivistinnen und Aktivisten im Hambacher Forst, die darum kämpfen – unterstützt von vielen Umweltbewegten und auch von der Partei DIE LINKE – dass dieser Wald nicht dem Aufschluss für Braunkohle zum Opfer fällt. Und wir trauern mit vielen Tausend anderen um Steffen Meyn, der in dieser Auseinandersetzung im Hambacher Forst zu Tode kam.

RWE muss die Rodung abblasen. Auch die MiBRAG im Leipziger Land und die LEAG in der Lausitz dürfen keine neuen Aufschlüsse vornehmen.

DIE LINKE setzt sich für einen kompletten Ausstieg aus der Verbrennung von Kohle zur Energiegewinnung bis spätestens 2035 ein. Dazu fordert DIE LINKE ein Sofortprogramm mit einem Fond zur Absicherung der Beschäftigten. Bis 2020 müssen die zwanzig ältesten Kraftwerke abgeschaltet werden. Deutschland braucht zudem ein Investitionsprogramm zum Ausbau des ÖPNV und eine spürbare Senkung der Fahrpreise, bis hin zum gebührenfreien ÖPNV.

All dies muss schnellst-möglich umgesetzt werden, um den Klimawandel abzumildern. Die Kohlekommission der Bundesregierung muss endlich Nägel mit Köpfen machen und ihre Arbeit nicht länger unnötig herauszögern. Denn wissenschaftliche Begründungen und Vorschläge liegen zu Hauf vor, es kommt darauf an diese endlich umzusetzen.

Aber selbst wenn der Kohleausstieg bis 2035 gelingt und wenigstens eine Verkehrswende eingeleitet wird, z.B. über Elektromobilität – auch wenn das nicht der von uns gewünschte Weg ist, wir setzen auf Öffentlichen Verkehr, dürfen wir uns doch mit Blick auf den Klimawandel nichts vormachen: wir sind mitten drin im Klimawandel. Die letzte Hitze- und Dürrewelle hat das doch gezeigt. Erst jetzt zum Herbstbeginn gab es mal Niederschläge, die nicht gleich wieder verdunstet sind, sondern in den Boden eindringen konnten. Das ist für die Ansaaten unerlässlich, damit nicht gleich die nächste Erntekatastrophe kommt.

Trotzdem mache ich mir große Sorgen für die nächsten Jahre. Wenn in diesem Sommer Temperaturen von bis zu 29 °C am Polarkreis zu verzeichnen waren, dann hat das Auswirkungen auf den Permafrost in dieser Region und auch auf das Abschmelzen der Gletscher. Und dies hat wiederum negative Auswirkungen auf das Klima insgesamt und das Wetter im nächsten Jahr. Und auch wenn ich weiß, dass sich Reedereien und andere Handelsunternehmen über die eisfreie Nord-Ostpassage im Polarkreis freuen, diese Freude ist erkauft mit Klimakatastrophen im Rest der Welt.

Also ist neben dem Kampf um die Reduzierung der Erderhitzung durch den Ausstieg aus der atomar-fossilen Energiewirtschaft, durch die Verkehrswende und durch Energieeinsparungen auch eine Anpassung an die schon bestehenden Klimaauswirkungen notwendig. Neben Maßnahmen für Städte und Flüsse ist es gerade die Landwirtschaft, die dringend angepasst werden muss, um den Klimawandel zu überleben.

Zum einen müssen Maßnahmen umgesetzt werden, um unsere Landwirtschaft selbst klimafreundlicher zu gestalten und deren Emissionen von CO2, Stickoxiden und Methan herunterzufahren. Dazu gehört zum Beispiel die drastische Reduzierung der mineralischen Düngung, insbesondere von Stickstoff. Die Produktion von Stickstoff durch das Haber-Bosch-Verfahren ist irrsinnig energieaufwändig. Deshalb sollte diese Herstellungsart eingestellt werden. Auch die Produktion und Verwendung von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln befördern den Klimawandel. Daher darf diese Art des Pflanzenschutzes nur bei Schädlingskatastrophen, also sogenannten Kalamitäten erlaubt sein.

Gerade in der Tierhaltung, in der Höchstleistungen nur unter Einsatz von massenhaft aus Übersee importierten Futtermittel in stark industriell organisierten Anlagen erzielt werden, muss es ein Umdenken zu einer nachhaltigen, artgerechten Erzeugung geben. Rinder sind von Natur aus keine Klimakiller, denn sie können Raufutter von extensiven Weiden und Wiesen in Milch und Fleisch umwandeln. Diese Weiden und Wiesen sind sehr gute Senken für klimaschädliche Gase und müssen deshalb erhalten werden. Wenn jedoch in steigendem Maße Mais und hochwertige Eiweiß-Futtermittel, deren Erzeugung schon klimaschädlich ist, zur Fütterung der Wiederkäuer eingesetzt werden, dann wird natürlich auch der Wiederkäuer, das Rind, zum Klimaschädiger.

Also die Landwirtschaft muss sich vom Akteur der das Klima mitschädigt zum vollständigen Klimaschützer wandeln. Das ist notwendig und auch möglich, davon bin ich fest überzeugt.

Also auch das gehört zum Thema Klimaanpassung der Thüringer Landwirtschaft und ist eine kurz-, mittel- und langfristige Aufgabe für Landwirte, Landesregierung und Bodeneigentümer.

Der vergangene Sommer hat uns aber gelehrt, dass schnellst möglichst auch ganz konkrete Anpassungen an den Klimawandel in der Landwirtschaft und der landwirtschaftlichen Forschung Thüringens angegangen werden müssen und können:

Es ist notwendig, dass

  • die Erforschung regionaler Anpassungsstrategien an den Klimawandel durch die Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft und dem Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau mit noch größerer Dringlichkeit angegangen wird und auch in die Praxis gebracht werden – schon 2007 habe ich in diesem Hause diese Forderung aufgemacht, die CDU-geführte Landesregierung hat da bis 2014 nichts umgesetzt und die Bundesregierung steckt auch hier den Kopf in den Sand.

Es ist notwendig, dass

  • die landwirtschaftliche Versuchsforschung im Hinblick auf an Trockenstress angepasste Pflanzenarten, Anbauregime und Tierhaltungssysteme für Thüringen gestärkt wird

Es ist notwendig, dass

  • die sogenannten herrenlosen Wasserspeicher als Bewässerungsspeicher für die Land- und Forstwirtschaft sowie als Löschwasserreserven für den Katastrophenschutz ertüchtigt werden. Ich habe mich ja gefreut, dass die Thüringer Fernwasserversorgung die herrenlosen Speicher übernommen hat, ich fordere aber dass diese als Wasserspeicher für die Bewässerung ertüchtigt werden. Auch im derzeit diskutierten Wassergesetz muss dies umgesetzt werden.

Es ist notwendig, dass

  • überlegt wird, wie Instandhaltung und Erneuerungsmaßnahmen der komplexen Meliorationsanlagen aus der DDR- Zeit umgesetzt werden können

Es ist notwendig, dass

  • der Humusgehalt im Boden gesteigert wird, um die die Wasserhaltefähigkeit der Böden zu steigern und um die landwirtschaftlichen Böden allgemein zu Senken für klimaschädliche Gase zu ertüchtigen. Dies könnte durch die Ausbringung von Kompost, der insbesondere aus Wirtschaftsdüngern, Grünschnitten und häuslichen Abfällen besteht, gefördert werden

Es ist notwendig, dass

  • infrastrukturelle Kapazitäten wie zum Beispiel Erdenwerke u. ä. in Thüringen in landwirtschaftlichen und kommunalen Betrieben vorhanden sind, um die Ausbringung von Kompost und Mulch zu erhöhen.

All das sind Forderungen, die von der Landesregierung konkret geprüft werden sollten und mit den Verantwortlichen in den Landesbehörden, in der Land- und Forstwirtschaft und den Kommunen umgesetzt werden sollten.

Denn es reicht nicht, so weiter zu machen wie bislang und sich dann Jahr für Jahr mit den Schäden durch den Klimawandel – sei es aufgrund von Überschwemmungen oder aber Ernteausfällen – zu befassen und Geldzahlungen von der Allgemeinheit zu verlangen. Und auch hier muss die Bundesministerin der CDU in die Pflicht genommen werden. Und es reicht nicht, meine Kollegen von der CDU immer zu sagen, wir sind hier in Thüringen. Thüringen ist Teil von Deutschland, von Europa und der Welt und interagiert.

In Thüringen haben wir für die Umsetzung für Klimaschutz und Anpassungen an den Klimawandel gute Voraussetzungen – also packen wir es an.

Vielen Dank.

 

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