Klimacamp Leipziger Land

24. August 2018  Energie, Umwelt

Der kleine Ort Pödelwitz bei Leipzig ist im Ausnahmezustand. Einen Steinwurf vom Gelände der Kohlegesellschaft MIBRAG hat sich eine Gruppe von über 1000 Menschen einen Ort zum Diskutieren, Aktivieren, Vernetzen und nicht zuletzt zum sozialen Austausch geschaffen. Basisdemokratisch und friedlich setzen sich die bunt gemischten Menschen für Klimaschutz und die Abschaffung von Energie aus Kohleverbrennung ein.
Zum Aktionstag am Samstag wurde auch an verschiedenen Positionen das Kraftwerk in Lippstadt besetzt, ein beeindruckender aber bedrückender Bau. Aus den Kühltürmen tritt weißer Rauch und im Sekundentakt fahren Einsatzwagen der Polizei an den Aktivistas vorbei. Sie erreichen ihr Ziel und es bleibt weitgehend friedlich. „Ich sitz und schwitz für Pödelwitz“ sagt eines der Transparente.
Pödelwitz ist ein Beispiel für Zweierlei. Ein vom Tagebau bedrohter Ort, zum Teil leergezogen und in den Händen der Braunkohleindustrie, aber auch eine idyllische Siedlung mit altem Baumbestand und alten Häusern, verschlafen und ein bisschen vergessen. Umgeben ist alles von einer Tagebaubedingten Mondlandschaft, hunderte Meter breite Krater, nachts beleuchtet, wie ein UFO Landeplatz. Der Raubbau als mahnende Kulisse. Hier ist der beste Ort um zu sehen, wofür es sich lohnt zu kämpfen: Klimagerechtigkeit, Investitionen in erneuerbare Energien und einen Stopp von Kohleabbau und –verbrennung. Ein Kampf der im Camp mit friedlichen Mitteln geführt wurde, Worte und Taten für eine gemeinsame Zukunft.

Mittendrin Johanna Scheringer-Wright, die Abgeordnete des Thüringer Landtags und landwirtschaftliche Sprecherin der Partei DIE LINKE. Sie hat immer ein offenes Ohr und offene Augen, um zu unterstützen, Neues zu erfahren und ins Gespräch zu kommen, denn Klimapolitik ist ihr ein Anliegen. Zu Beginn führte sie ein langes Hintergrundgespräch mit den Vertretern der IGBCE (Gewerkschaft) vor Ort. Es arbeiten 2500 Menschen bei der MIBRAG, davon 300 Beschäftigte im Tagebau Vereinigtes Schleenhain, also maximal 300 Personen, die umgeschult und anderweitig beschäftigt werden müssten. Das könnte im Sektor erneuerbare Energien und Rekultivierung erfolgen und Pödelwitz wäre gerettet. Zudem hat Johanna Scheringer-Wright das Argument der IGBCE entkräftet, dass wir Kohlestrom bräuchten, weil wir nicht genügend Speicher für erneuerbare Energien hätten. Denn das Festhalten am Kohlestrom ist es, was dem Ausbau der Speicher entgegensteht. Erst kürzlich erklärte das Unternehmen TRIANEL, die Pläne zum Bau eines Pumpspeicherwerkes im Thüringer Wald ad acta zu legen, weil dieser Bau nicht lukrativ genug sei. Der Grund dafür war zu viel Kohlestrom im System. An diesem Beispiel zeigt sich der argumentative Teufelskreis des herkömmlichen Stromsystems. „Zudem sollte die Energiegewinnung und Energiebereitstellung als Teil der Daseinsvorsorge dezentral in öffentliche Hand überführt werden, also direkt von den einzelnen Bundesländern betrieben werden“, fügt sie hinzu.
Während ihres Workshops im Open Space des Camps kam sie auch persönlich in Kontakt und ins Gespräch mit Teilnehmer*innen. Angereist aus Berlin bis Konstanz gab es eigene Eindrücke über Klimaworkshops und ökologischen Gemüsebau zu hören. Die politische Dimension von Protest war das gesetzte Thema. Mit „Politik kann nur mit kritischem Input von der Basis funktionieren“, „Beschäftigung in der Landwirtschaft als Spiegel der Gesellschaft und des Fortschritts“, wie auch „jeder Mensch muss seinen Weg finden um Klimagerechtigkeit zu unterstützen“ sei hier als eine kleine Auswahl der Themen genannt.
Die Abgeordnete erlangte intensive Einblicke ins Geschehen, nicht zuletzt als parlamentarische Beobachterin bei den Protesten. Sie will wiederkommen und bis dahin weitere Aktionen unterstützen – Für Klimagerechtigkeit und erneuerbare Energien.

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