Agrargenossenschaften als Zukunftsmodelle für den sozial-ökologischen Umbau im ländlichen Raum?

01. Februar 2014  Allgemein

Zum Jahresausklang 2013 konnte Johanna Scheringer-Wright als agrarpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE auf Einladung ihrer Fraktionskollegin und direkt gewählten Abgeordneten Heidrun Sedlacik erneut die Agrargenossenschaft Geroda e.G. im Saale-Orla-Kreis besuchen. Diese Agrargenossenschaft, die sie im Sommer 2012 zum ersten Mal besichtigte, als gerade der Neubau des Stalls für die Kühe begonnen wurde, hat knapp eineinhalb Jahre später den Kuhstall bezogen und die Biogasanlage in Betrieb genommen und damit einen weiteren großen Fortschritt in Tierwohl und nachhaltige Produktion  geleistet.

Am Beispiel der Agrar- und Dienstleistungsgenossenschaft Geroda e. G., wie auch anderen Agrargenossenschaften in Thüringen,  lässt sich die Frage, ob und inwieweit Agrargenossenschaften als Modell für einen sozial-ökologischen Umbau fungieren können gut hinterfragen.

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Frage nach dem Eigentum spielt in der Landwirtschaft wieder zentrale Rolle

DIE LINKE betont in ihrer Programmatik, dass ökologische und soziale Fragen nicht voneinander zu trennen sind. Das ist auch in der Landwirtschaft so. Auch die Frage nach dem Eigentum spielt in der Landwirtschaft wieder eine zentrale Rolle. Die forcierte Privatisierung des Bodens der ehemaligen volkseigenen Betriebe durch die BVVG (Bodenverwertungs- und  -Verwaltung GmbH) und die daraus immer höheren Verkaufspreise und Pachtpreise für landwirtschaftliche Flächen werden für die landwirtschaftlichen Betriebe immer spürbarer. Inzwischen ist das in der öffentlichen Debatte und bei vielen Parteien erkannt. Als jedoch dieses Gesetz im ersten gesamtdeutschen Bundestag beschlossen wurde, hat nur  die PDS als einzige Fraktion konsequent dagegen argumentiert und dagegen gestimmt. Andere Parteien und Fraktionen haben sich im Gegenteil durchweg für Privatisierung ausgesprochen. Bei den Umwandlungen  der LPG (Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften)  der DDR  war das Land ja in Eigentum der Mitglieder. So  konnten in den ostdeutschen Bundesländern die Betriebe in  eingetragene Genossenschaften (e.G.) nach Bundesgesetz überführt  werden. Gleichwohl gab es zum Teil unschöne Auseinandersetzungen  bei der Überführung in die neuen Genossenschaften und die privatrechtlichen Gesellschaften (GmbH, AG).

Oft werden jedoch die großen Betriebe unterschiedslos gleichgesetzt. Ohne sich mit Satzungen, Unternehmensgesetzgebung und weiteren Vorschriften auseinanderzusetzen werden nach dem Grundsatz „small is beautiful“ alle großen Betriebsstrukturen verdammt und mit Massentierhaltung und industrialisierter Landwirtschaft gleichgesetzt. Diese Schwarz-Weiß-Malerei scheint einfach, klare Feindbilder sind identifiziert. Dann ist es aber schwierig, die Debatte,  wie eine gute Landwirtschaft aussehen soll, differenziert zu führen. Die Chancen der genossenschaftlichen Unternehmensform, in der jedes Mitglied eine Stimme hat, werden mit Blick auf die demokratische Mitbestimmung in den Betrieben oft unterschätzt. Das Prinzip „1 Mitglied, 1 Stimme“ wird zu wenig zur Kenntnis genommen.

Neuer luftiger Kuhstall und nachhaltige Biogasproduktion

Die Agrar- und Dienstleistungsgenossenschaft Geroda e.G. wurde 1992 ins Unternehmensregister eingetragen. Sie entstand im Zuge der Umwandlung der LPG Pflanzenproduktion Wilhelm Pieck Triptis, die 1991 aufgeteilt wurde, wobei ein Teil der Flächen der LPG Tierproduktion Geroda zugeschlagen wurde.

Die Agrar- und Dienstleistungsgenossenschaft Geroda e.G. besteht heute aus 42 Genossenschaftern, wovon 17 auch in der Genossenschaft beschäftigt sind. Zusätzlich sind noch weitere 6 Mitarbeiter, überwiegend junge Menschen angestellt, die bislang noch nicht Mitglied in der Genossenschaft sind. Die Genossenschaft bewirtschaftet 1500 ha, davon sind 270 ha Grünland. Es werden Marktfrüchte, wie Getreide und Raps angebaut, aber auch alle Futtermittel für Kühe, Schweine und Schafe. Auch Eiweißfrüchte, wie Luzerne und Erbsen werden zunehmend angebaut um die Eiweißversorgung  immer stärker aus dem eigenen Betrieb zu decken. Die Ställe befinden sich an verschiedenen Standorten, so dass lokal erhöhte Emissionen vermieden werden. Im neuen luftigen und hellen Kuhstall in Porstendorf sind 450 Milchkühe untergebracht. Zusätzlich mästet der Betrieb in anderen Dörfern noch 1500 Schweine und hält 300 Schafe, die im Sommer nur auf der Weide sind und im Winter im Stall gemästet werden. Umgerechnet ist damit der Tierbesatz des Betriebes bei 2 bis 2,5 Großvieheinheiten pro Hektar. Damit ist das ökologische Kriterium „bodengebundene Tierhaltung“ erfüllt.

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Die Biogasanlage der Agrar- und Dienstleistungsgenossenschaft mit 420 kW Leistung wird mit Gülle, Mist, Reststoffen und Maissilage beschickt und produziert Strom für den Verkauf und Wärme für den eigenen Betrieb seit Herbst 2013. Alle Reststoffe werden als Dünger auf den Feldern ausgebracht.

In der LPG Fleischerei werden Wurst- und Fleischwaren hergestellt und zum Großteil auch im angeschlossenen Laden in Triptis vertrieben. Der Laden hat einen kleinen Gaststättenbereich dabei, wo günstig Mittagstisch für Anwohner angeboten wird.

Idee des regionalen Wirtschaftskreislaufes weitgehend umgesetzt

Somit schließt sich der Kreislauf von Urproduktion, Verarbeitung und Abgabe an die Konsumenten. Die Idee des regionalen Wirtschaftskreislaufes ist weitgehend umgesetzt. Dadurch wird der ländliche Raum der Region und die Kleinstadt gestärkt. Die eingangs gestellte Frage kann also durchaus mit ja beantwortet werden. Es zeigt sich anhand dieses Beispiels auch, dass der Streit, der sich nur auf die Größe der Betriebe fixiert, in die Irre führt.

Gleichwohl muss es darum gehen systematische Fehlentwicklungen in der Landwirtschaft anzuprangern und Verbesserungen durchzusetzen. Immer mehr Menschen wünschen sich eine bessere, faire Nahrungsmittelherstellung. Der Ordnungspolitische Rahmen muss verändert werden, Fördermittel gezielt eingesetzt werden. Dazu hat auch DIE LINKE immer wieder Vorschläge gemacht, auch im Entwurf des Landtagswahlprogramms ist dies verankert.

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