Beiträge vom Oktober 2017

Interview mit der jw – »Vor allem Juristen sind in der AfD-Fraktion«

23. Oktober 2017  Allgemein

An dieser Stelle dokumentieren wir ein Interview von Johannes Supe für die jW mit der Abgeordneten. Anlass für das Gespräch war die bevorstehende Buchvorstellung »Wehret den Anfängen!«. Johanna wird am 26. Oktober um 19 Uhr bei der Vorstellung des Buchs in der  jW-Ladengalerie, Torstraße 6, in Berlin dabei sein und ihren Anteil am Buch vorstellen.

Sie haben für das Buch »Wehret den Anfängen!« einen Beitrag über die Rolle der AfD-Landtagsfraktion in Thüringen verfasst. Folgt man Ihrem Text, dann ist einer der zentralen Begriffe der Partei der der »Etablierten«. Wie wird er von der AfD genutzt?

Die AfD bezeichnet mit diesem Begriff alle anderen Parteien im Landtag, egal welchen Politikansatz diese verfolgen. Für sie gehört etwa Die Linke zusammen mit der CDU zu den etablierten Parteien. Alle politischen Unterschiede, die es gibt, verschwinden dahinter. Übrig bleiben dann nur »die Etablierten« und die AfD, die sich zur Vorkämpferin für die Rechte der Deutschen stilisiert. Dass Die Linke in Thüringen Regierungspartei ist, macht es der AfD dabei leichter, diese Sicht zu propagieren. Denn mit diesem Kampfbegriff verschleiert die AfD auch, dass ihre eigenen Protagonisten im bestehenden System gut eingerichtet sind.

Wer findet sich in der Landtagsfraktion der Partei?

Dort sitzen vor allem Juristen. Geführt wird sie durch Björn Höcke, also einen Lehrer für Geschichte und Sport. Mitglied der Fraktion ist auch eine Zahnärztin mit florierender Praxis. Es gibt in ihr auch nur einen Handwerker, einen Maurer.

Springen die Menschen in Thüringen auf die Rethorik an?

Sie spricht verschiedene gesellschaftliche Schichten an. Einerseits jene, die zur bürgerlichen Mittelschicht gehören, und viel rackern, um sich ihr gutes Leben zu leisten. Durch das Schüren von Abstiegsängsten werden die Mittelschicht und die gehobene Mittelschicht angesprochen. Die ständige Wiederholung des »Wir kommen zu kurz, während Flüchtlinge alles umsonst bekommen« richtet sich an jene, die tatsächlich wirtschaftlich abgehängt sind. Etwa Arbeitslose und Rentner. Die wollen aus Frust zudem allen anderen Parteien mal richtig Paroli bieten.

Die Linke begründet ihren Eintritt in die Regierung damit, den Menschen das Leben erleichtern zu wollen. Wieso verfängt der Vorwurf, zu »den Etablierten« zu gehören auch bei ihr?

Da kommen wir zur Begriffsbestimmung, was »etabliert« bedeutet. Wenn es heißt, sich im kapitalistischen System eingerichtet zu haben, kann Die Linke das nicht von sich sagen, und sie will es auch nicht. Das schwingt in dem Begriff aber mit. Soll hingegen nur auf die Regierungsbeteiligung verwiesen werden, dann gilt für unsere Partei: Im Kabinett muss sie Maßnahmen beschließen, die den Alltag der Bevölkerung spürbar verbessern. In Thüringen hat Die Linke eine Reihe von Maßnahmen durchgebracht, die den Status quo erhalten. Nehmen sie zum Beispiel die Lehrereinstellungen. Die Neueinstellungen sind richtig. Doch dann kommt der bittere Nachsatz: Es sind noch nicht genug, es bräuchte viel mehr, um den Unterrichtsausfall zu verhindern. Ähnlich ist es bei diversen Themen.

Wie und mit welchen Begriffen die AfD im Parlament agiert, haben Sie nun ausgeführt. Aber welche Rolle nimmt der Landtag in der Strategie der Partei ein?

Die AfD benutzt den Landtag als Bühne, sie will aus ihm heraus in die Gesellschaft wirken. Gleichzeitig ist sie außerparlamentarisch aktiv. Als 2015 und 2016 Geflüchtete nach Thüringen kamen, organisierte die Partei wöchentlich Kundgebungen vor dem Landtag. Diese Strategie hat ihnen ihren Erfolg bei den Bundestagswahlen ermöglicht: In Thüringen wurde die AfD zweitstärkste Kraft.

Wo kann die AfD besiegt werden? Im Parlament oder auf der Straße und in den Betrieben?

Dieser Kampf muss an allen Orten stattfinden. Allerdings erreichen wir viele Menschen nicht mehr auf der Straße, eben auch nicht durch Demonstrationen gegen die AfD. Ich möchte Ihnen ein Beispiel geben: Seit Jahren arbeite ich mit dem Kultur- und Heimatverein eines Orts in meinem Wahlkreis zusammen. Jetzt erzählen mir einzelne Vertreter, dass sie für die AfD gestimmt hätten. Deren Programm haben sie oft gar nicht gelesen. Einer sagte mir sogar, einen Vertreter der Partei würde er wegjagen, wenn der vor seiner Haustür stünde. Nur aus Protest stimmten sie für die AfD. Sie waren enttäuscht über das, was Die Linke in Thüringen erreicht hat. Das zeigt mir, dass wir eine bessere Regierungspolitik machen müssen, aber auch, dass wir nicht oft genug bei diesen Menschen waren. Wir müssen jetzt in die Vereine, zu den Gartenlauben, auf die Feste. Überall dorthin, wo man die Leute trifft.

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Artgerechte Tierhaltung in Fachgespräch diskutiert

18. Oktober 2017  Landwirtschaft

Mit Verweis auf das heutige Fachgespräch der Linksfraktion im Thüringer Landtag „Artgerechte Tierhaltung – Wie soll das gehen und rechnet sich das?“ sagt Dr. Johanna Scheringer-Wright, landwirtschaftspolitische Sprecherin der Fraktion: „Kein Thema wird derzeit in der Agrarpolitik so kontrovers diskutiert wie die Tierhaltung. Die Vorstellungen der Gesellschaft stehen der wirtschaftlichen Machbarkeit gegenüber. Auf der einen Seite gibt es den Verbraucherwunsch nach ökologisch produzierten Tieren auf der anderen Seite steht die Bereitschaft höhere Preise zu zahlen.“

Vorgestellt wurden in dem Fachgespräch wirtschaftliche Konzepte die Offenstallhaltung von Schweinen und ein wirtschaftliches System der Milchviehhaltung ohne Kraftfuttereinsatz. „Deutlich wurde, dass es niemals nur um einzelne Faktoren geht, die geändert werden müssen, sondern um die Betrachtung des ganzen Systems“, betont die Abgeordnete.

Prof. Dr. Onno Poppinga sprach vor allem die Möglichkeit, in der Milchviehhaltung mehr Grundfutter einzusetzen, sowie weiteren Forschungsbedarf bei der Weidehaltung an. Es ging ihm aber auch um die verbesserter Milchqualität, die  Lebensleistung und die Gesundheit der Tiere. Der Fachmann für Schweinehaltung Rudolf Wiedmann zeigte mit seinem Stallkonzept nicht nur die wirtschaftliche Machbarkeit von Offenstallhaltung bei Schweinen auf, sondern auch die Vorteile, die durch den verbesserten Gesundheitszustand der Tiere entstehen. Annika Bromberg vom Tierzuchtfonds betonte vor allem die Notwendigkeit, eigenständige Zuchtlinien für die ökologische Tierproduktion zu schaffen.

„Außerdem, das wurde deutlich, muss besonders in der Politik flexibler für neue Rahmenbedingungen für alternative Haltungsformen gesorgt werden. Das geänderte Agrarinvestitionsprogramm ist in der jetzigen Neufassung ein guter Kompromiss, um Modernisierungen für mehr Tiergerechtigkeit und weniger Umweltbelastungen in der Tierhaltung voranzubringen“, sagt Scheringer-Wright abschließend.

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